Michael Töpel: “Sechs Lieder für Sopran und Klavier” nach Texten von Gerhart Hauptmann und “Die Wege sind so endlos lang” Sechs Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger in der Erlöserkirche Kassel-Harleshausen

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Fr., 3. April 2020, um 19:58 Uhr, Erlöserkirche Kassel-Harleshausen
Michael Töpel
Sechs Lieder für Sopran und Klavier nach Texten von Gerhart Hauptmann
Anna Palupski – Sopran
Annette Töpel – Klavier

Fr., 3. April 2020, um 19:58 Uhr, Erlöserkirche Kassel-Harleshausen
Michael Töpel
„Die Wege sind so endlos lang“
Sechs Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger für Mezzosopran und Klavier
(Uraufführung der revidierten und erweiterten Fassung)
Iuliia Tarasova – Mezzosopran
Annette Töpel – Klavier

Die „krumme“ Anfangszeit des Konzertes ergibt sich aus der Idee, die Veranstaltungen dieser Reihe jeweils in der Minute des Sonnenuntergangs beginnen zu lassen.

 

„Die Wege sind so endlos lang“ Sechs Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger für Mezzosopran und Klavier

Zum Werk

Selma Meerbaum-Eisinger wurde 1924 in Czernowitz geboren und starb 1942 im Alter von 18 Jahren in dem von der SS geführten Arbeitslager Michailowska. Mütterlicherseits war sie mit Paul Celan verwandt. Von ihr sind 57 Gedichte überliefert, zumeist Liebeslyrik, die sie in einem „Blütenlese“ benannten Album gesammelt und ihrem Freund Lejser Fichman gewidmet hat. Er kam bei seiner Flucht nach Palästina um, doch hatte er dieses Album zuvor einer engen Freundin von Selma anvertraut, so konnte es gerettet werden. Heute zählen Selma Meerbaum-Eisingers Gedichte wie auch Anne Franks Tagebuch zu den bedeutenden literarischen Zeugnissen der ermordeten Juden Europas.

Wie nähert man sich als Komponist einem Text? Man spricht zwar oft von „Vertonung“, doch ist dieser Begriff im Grunde unzutreffend. Bei einer Vokalkomposition inszeniert man künstlerisch geformte Sprache mittels Musik und schreibt häufig auch in das klingende Tableau mit ein, was man über das Schicksal des Textes oder des Menschen weiß, der ihn verfasst hat: Als Komponist sucht man Einlass an der Tür der Textautorin, des -autors. So bin ich mir sicher, dass auch das Wissen um die Freundschaft und um das Schicksal dieser so jung verstorbenen Menschen Selma Meerbaum-Eisinger und Lejser Fichman die Musik dieser Lieder beeinflusst hat. Insbesondere standen für mich die demütige Achtung vor der dichterischen Aussage und ihrer künstlerischen Gestaltung bei der Musikalisierung dieser Gedichte und im Hinblick auf die Aufführung im Mittelpunkt. Daher wünsche ich mir eine von der Lyrik ausgehende und durchgehend textverständliche Realisierung des Vokalparts zu einem zurückhaltend, transparent und farbig changierend gespielten Klaviersatz.

In seiner ursprünglichen Fassung ist dieser Liederzyklus während eines Arbeitsaufenthaltes in einem kleinen Künstlerstudio in Bremerhaven im November 2002 entstanden. Uraufgeführt wurde er im Rahmen eines Konzertes anlässlich des Holocaust-Gedenktages 2003 in der Musikakademie der Stadt Kassel. 2018 und 2019 habe ich die Lieder revidiert und den Zyklus erweitert. In dieser neuen Gestalt wird er erstmals am 3. April 2020 in einem Konzert der Kompositions-Initiative Kassel (KIK) in der Erlöserkirche Kassel-Harleshausen erklingen: Iuliia Tarasova – Mezzosopran und Annette Töpel – Klavier sind die Interpretinnen dieser Uraufführung.

Lübeck, im Januar 2020

Michael Töpel