*1909 in Breslau
†1993 in Halle

Hans-Georg Burghardt wurde 1909 in Breslau geboren, wo er Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie sowie Kontrapunkt, Komposition und Musiktheorie studierte. Er schuf bedeutende Kompositionen in den verschiedensten Gattungen, besonders ausgeprägt aber war sein Talent für die Vertonung lyrischer Texte, das sich in seinen Liedern zeigt, wie z. B. in den vier Gesängen nach F. Hölderlin „An Diotima“.

Nachdem Hans-Georg Burghardt 1932/33 die staatliche Privat-Musiklehrerprüfung für Klavier, Komposition und Musiktheorie abgelegt hatte, wirkte er zunächst freischaffend und erhielt 1938 den Schlesischen Musikpreis. 1945 floh er nach Halle, wobei zahlreiche Manuskripte verloren gingen. Drei Jahre später schrieb er sein erstes Klavierkonzert, das mit dem Brandenburgischen Musikpreis ausgezeichnet wurde. Ab 1950 wirkte er als Lehrer am Konservatorium in Cottbus, ab 1952 lehrte er an der Universität Jena und wirkte schließlich von 1964 bis zu seiner Emeritierung am Institut für Musikwissenschaft der Universität Halle. Das kompositorische Schaffen Hans-Georg Burghardts umfasst die verschiedensten musikalischen Gattungen, von denen sich vor allem Kammermusiken, Klavierwerke und Lieder schnell durchsetzten. Gerade im Lied konnte sich sein lyrisches Talent am besten entfalten. Neben eigenen Texten wandte er sich vorwiegend Texten von Morgenstern, Shakespeare, Eichendorff, Hölderlin, Hesse und der halleschen Dichterin Charlotte Dörter-Rehmet zu. Seine zwölf Klaviersonaten, die sieben Sonatinen und viele Klavier-Einzelstücke fanden weite Verbreitung. Nicht zu vergessen sind seine instruktiven Schriften zur Musik. Burghardts Gesamtwerk enthält auch geistliche Kompositionen und zahlreiche Werke für Harmonium oder Orgel. Ausgehend von der Spätromantik, knüpfte er kompositorisch zunächst an das Werk Bruckners an. Später lassen sich auch Einflüsse Paul Hindemiths und Richard Strauss’ nicht leugnen, er fand jedoch bald seinen eigenen Kompositionsstil, der von tiefer Durchgeistigung, geschliffener Formenstrenge und meisterhafter Satztechnik geprägt ist. Er lehnte die orthodox-serielle Satzweise ab und gab sich dafür dem komplexiv-diatonischen Sekundsystem hin, das die Einengung der Dur-Moll Tonalität aufhebt und sich der Polytonalität öffnet.