10.09.1659 in Westminster – 21.11.1695 in London

Henry Purcell galt schon zu seinen Lebzeiten als der beste englische Komponist und wurde daher mit dem Ehrentitel „Orpheus Britannicus“ gewürdigt. Zu seinen Meisterwerken gehören sein „Te Deum“ (das erste englische „Te Deum“ mit Orchesterbegleitung) und „Jubilate“, die für den Cäcilientag des Jahres 1694 entstanden. Er komponierte ein Anthem für die Trauerfeier der Königin Maria II. von England 1694, das in einer elektronischen Fassung von Wendy Carlos zur Titelmusik von Stanley Kubricks Film „A Clockwork Orange“ wurde.

Henry Purcell war der Sohn eines Mitglieds der um 1660 errichteten Sängerkapelle Karls II. (Chapel Royal) und erhielt seine Ausbildung als Chorknabe derselben Kapelle durch deren Vorsteher Henry Cooke und dessen Nachfolger Pelham Humfrey. Nach Humfreys Tod setzte er seine Ausbildung bei John Blow und Matthew Locke fort. 1676 übernahm Purcell das Organistenamt an der Westminster Abbey und schrieb im selben Jahr die Musik zu John Drydens Schauspiel „Aureng-Zebe“ und zu Thomas Shadwells „Epsom Wells und The Libertine“. Es folgten weitere Schauspielmusiken, darunter eine Ouvertüre und eine Masque zu Shadwells Bearbeitung von Shakespeares „Timon of Athens“. 1682 wurde Purcell als Organist der Chapel Royal angestellt, eine Position die er zeitgleich mit seinem Organistenamt an der Westminster Abbey innehatte. Seine ersten Werke, die im Druck erschienen, die „Twelve Sonatas“, wurden 1683 veröffentlicht. In diesen Jahren schuf er hauptsächlich geistliche Musik und Oden zu festlichen Anlässen des Königshauses. 1685 schrieb er anlässlich der Krönung von Jakob II. zwei seiner bekanntesten Anthems: „I was glad“ und „My heart is inditing“. 1687 setzte er seine Verbindung zu den Londoner Theatern fort und schrieb Musik zu Drydens Tragödie „Tyrannick Love“. Für 1689 ist die Aufführung seiner ersten Oper „Dido und Aeneas“ belegt, an welche sich später noch 38 dramatische Musikwerke anschlossen, die sowohl durch ihre Stoffe (teils nach William Shakespeare, teils nach John Dryden) als durch die Originalität und den hohen Kunstwert der Musik ein wohlbegründetes Aufsehen erregten. Nicht minder waren seine Kirchenkompositionen von den Zeitgenossen, namentlich auch von Händel, geschätzt. 1690 schrieb er Lieder zu Drydens Version von Shakespeares „The Tempest“ und Musik zu Bettertons Bearbeitung von „Fletcher und Massingers Prophetess“ (später besser bekannt unter dem Titel „Dioclesian“) und zu Drydens „Amphitryon“. 1691 entstand King Arthur, ebenfalls nach einem Libretto von Dryden und 1692 komponierte er Musik zu „The Fairy Queen“ (eine Bearbeitung von Shakespeares „A Midsummer Night’s Dream“). Purcell hatte vermutlich einen Sohn, Edward (1689–1740), der ebenfalls komponierte. Die Verwandtschaftsverhältnisse zu den weiteren Musikern der Familie Purcell sind noch immer nicht endgültig aufgeschlüsselt, mit Sicherheit handelt es sich allerdings bei dem Komponisten Daniel Purcell (ca. 1664–1717) um seinen Bruder, der letzte bekannte Musiker dieser Familie, Edward Henry Purcell (?-1765), war vermutlich sein Enkel. Henry Purcell starb 1695 auf dem Zenit seines Schaffens, seine Witwe Frances Purcell veröffentlichte einige seiner Werke im Druck, darunter die berühmte Sammlung „Orpheus Britannicus“. Purcell war zu seiner Zeit so berühmt, dass ihm das beliebte Musikstück „Trumpet Voluntary“ zugeschrieben wurde, das in Wahrheit von Jeremiah Clarke stammte. Später beeinflusste Purcell moderne britische Komponisten wie Benjamin Britten, Michael Tippett, Peter Maxwell Davies oder Michael Nyman. Auch moderne Rock-Musiker berufen sich auf ihn: Pete Townshend von „The Who“ zählt Purcell zu seinen bedeutendsten Einflüssen, was beispielsweise in den Anfangstakten von „Pinball Wizard“ deutlich wird. Er wurde in der Westminster Abbey neben der Orgel begraben, auf seinem Grabstein steht: “Here lyes Henry Purcell Esq., who left this life and is gone to that blessed place where only his harmony can be exceeded.”